Mein Großvater Wilhelm Johannsen, der sich 1914 freiwillig gemeldet hatte, kam (nach seinen eigenen Angaben) 1914 in den Stellungskampf westlich Loye-Noyon, 1915 im Artois, 1916 Erkundungs- und Demonstrationsangriff an der Somme, 1917 Stellungskämpfe an der Ysere. Vom 15.4.1917 bis zum 22.10.1919 befand er sich dann in Kriegsgefangenschaft in Frankreich und England (15.4.1917-20.5.1917 Le Havre, 27.5.-15.10.1917 Brocton, das in fünf Meilen Entfernung von Stafford liegt, 19.10.1917-5.8.1919 Catterick/North Yorkshire, 7.8.1919-2.9.1919 Feldham bei London, 4.9.1919-22.10.1919 in Brocton); „During he Great War, 1914,1919, Cannock Chase hosted two military camps – Rugeley and Brocton, ... From about 1915 German prisoners of war were kept at Brocton Camp, while the camp railway ensured that supplies could be transported quickly and efficiently to and from the vicinity. Although nowadays the only traces of the railways are the embankments, cuttings and the occasional marks of a sleeper." (vgl. http://www.brocton.org.uk/history.php). Der deutsche Soldatenfriedhof in Cannock Chase hat 2143 Gräber des 1. Wk. Catterick, 1908 bereits von Lord Baden-Powell für die Errichtung eines Militärlagers vorgeschlagen, wurde wenige Tage nach britischem Kriegseintritt 1914 mit 2000 Hütten zur Beherbergung von 40000 Mann bebaut (vgl.: http://en.wikipedia.org/wiki/Catterick_Garrison).
Wilhelm Johannsen hatte am Ende folgende militärische Auszeichnungen erhalten: Eisernes Kreuz II. Klasse, Verwundeten-Abzeichen schwarz, Ehrenkreuz für Frontkämpfer, und er wurde als Vizefeldwebel und Offiziersaspirant aus dem Militär entlassen. Danach kehrte er auf das Lehrerseminar in Rendsburg, das er 1914 verlassen hatte, zurück und beendete 1921 seine Lehrerausbildung. Bis zur Pensionierung ging er mit Leidenschaft dem Lehrerberuf nach.
Seiner leider undatierten Karte zufolge gehörte er auch im Heere dem Lehrpersonal der 3. Kompanie an. Im Mai 1916 empfing er im Felde eine Postkarte mit der Adresse: „Hfdw. W. Johannsen, 1. Feld Rekr. Depot, 9. Reserve Korps, 3. Kompagnie“, dann verbessert in: „13./ R. 31“ [= 13. Kompanie, Infanterieregiment 31]). Der Schreiber redet ihn also wohl als Hauptfeldwebel an. Noch 1918 korrespondierte er mit seinem bei der Marine dienenden Halbbruder Hans Haß, der den Krieg nicht überlebte.
1. Postkarte:
Wilhelm Johannsen an einen Hans ...:
Foto: Soldatengruppe (6 Personen, davon einer mit Ziehharmonika) (Wilhelm sitzend ganz links)
Rückseite:
"Herzl. Dank für Deine liebe Karte. Ich habe dieselbe bei guter Gesundheit im Schützengraben erhalten. Kannst Du micht erkennen auf der Karte? Schreibt bald wieder. Auf Wiedersehn. Herzl. Grüße an alle
Euer WJohannsen"
Rückseite einer weiteren Aufnahme desselben Motivs:
"Erinnerung an Loffre 24. Mai 1916"
2. Postkarte:
Undatiert
Motiv: Große Soldatengruppe (38 Personen) (Wilhelm erste Reihe sitzend, 3. von rechts),
Wilhelm Johannsen an einen Hans ...:
„Lieber Hans!
Herzl. Dank für Deine lieben Zeilen, die ich soeben erhielt. Hier siehst du [das] ganze Lehrpersonal der 3ten Kompagnie. Kannst du mich erkennen auf der Karte? Sonst geht es mir sehr gut, was ich auch von Euch allen hoffe. Schreibe bitte recht bald wieder! Herzl. Grüße Euer WJohannsen“